In der vergangenen Woche lud die Friedrich-Ebert Stiftung nach Bad Blankenburg Erzieherinnen und Erzieher und Förderer der Grundschulhorte zu einem Diskussionsforum ins Allianzhaus nach Bad Blankenburg ein. " Ein besonderer Schatz Thüringens? 25 Jahre Grundschulhorte“, so lautete der Titel des Diskussionsforums. Dass in Thüringen Grundschule und Hort eine pädagogische und organisatorische Einheit bilden, ist bundesweit einzigartig. Dieses Modell ermöglicht es den Thüringer Grundschulen, nach einem einheitlichen, Unterricht und Hortbetreuung umfassenden, pädagogischen Konzept zu arbeiten. Dabei wird die Selbstständigkeit der Kinder gefördert, soziales und verantwortungsvolles Handeln geübt sowie die individuellen Neigungen berücksichtigt.
Für das Thüringer Modell „Grundschulhort“ gilt zwei Politikern besonderer Dank: Thüringens erste Kultusministerin und spätere Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU), sie verantwortet die Entscheidung nach Gründung unseres Bundeslandes, das Thüringen die Horterzieher zusammen mit den Grundschullehren dem Bildungsresort zuordnete und nicht wie die anderen neuen Länder dem Sozialresort. Somit besiegelte sie den Thüringer Sonderweg, der bis heute in der Bundesrepublik Sonderstatus hat. Viele andere Länder besonders die alten beneiden Thüringen um diesen Schatz, der mit dieser Entscheidung begründete wurde. Ebenfalls nahm am Forum Christoph Matschie als ehemaliger Kultusminister Teil, auch er trägt in besonderer Weise zu diesem Schatz bei. Er verantwortete die Novelle des Thüringer KITA- Gesetzes und verankerte damit den Rechtsanspruch aller Grundschüler auf Hortbetreuung.
Neben diesen beiden Genannten nahm auch Uwe Sommermann vom Thüringer Lehrerverband an der Podiumsdiskussion teil. Zum 25. Jubiläum des Thüringer Grundschulhortes wurde erörtert, was dieses Modell anders und besser gemacht als andere. Zudem stand zur Debatte, wie auch in Zukunft eine gute Betreuung für die Kinder sichergestellt werden kann, wie sich Hort und Grundschule in einem Ganztagsschulkonzept verknüpfen lassen und wie die Arbeitsbedingungen für Erzieherinnen und Erzieher aussehen müssen, um die Qualität des Bildungsauftrags zu erhalten. Die Anregungen und Wünsche der im Publikum anwesenden Erzieherinnen wurden ebenfalls aufgenommen. Aufgrund des 2008 gestarteten, aber nun auslaufenden, Modellversuchs die Horte in kommunaler Verwaltung zu führen und deren Übergabe an den Freistaat hegen die Erzieherinnen berechtigte Sorgen. „Der Hort stellt Bildung sowie Entwicklung der Kinder sicher und entlastet die Eltern. Die Erzieher haben nicht weniger Verantwortung als Lehrer. Wir brauchen daher Impulse, um die Beschäftigungsbedingungen zu verbessern und die Qualität des Angebots zu sichern“, stellte Christoph Matschie klar. Ihm pflichtete Christine Lieberknecht bei: „Bildung ist eine Kernaufgabe des Staates“ bei der, da waren sich alle Beteiligten einig, das Wohl des Kindes im Mittelpunkt stehen muss.
In Ihrem Schlusswort resümierte die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion
Marion Rosin: „Der Titel unserer heutigen Veranstaltung hat es noch in Frageform formuliert: Der Grundschulhort – „ein besonderer Schatz Thüringens?“ Im Laufe des Abends ist deutlich
geworden, dass wir an das Ende des letzten Halbsatzes ohne weiteres und mit einigem
Selbstbewusstsein ein Ausrufezeichen setzen können. Der Thüringer Grundschulhort ist ein
besonderer Schatz, den wir erhalten und nach Kräften sogar noch mehren und vergrößern
sollten."Dem stimmten alle Anwesenden unisono zu.
Foto: Uwe Sommermann
v.l.n.r.: Thomas Günzel (Direktor des Evangelischen Allianzhaus), Uwe Sommermann (Thüringer Lehrerverband), Marion Rosin (MdL), Christine Lieberknecht (MdL), Katrin Zwolinski (Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien), Christoph Matschie (MdL), Roul Rommeiß (Landeselternvertretung Thüringen)