60 Prozent der Thüringer Studierenden wandern laut Zeitungsberichten ab in andere Bundesländer. Über Meldungen wie diese ärgert sich der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Thüringer Landtag, Wolfgang Lemb. „Wanderungsbewegungen bei Hochschulabsolventen sind in gewissem Umfang normal. Die Situation in Thüringen jedoch ist hausgemacht.“
Schuld seien die Billiglohnpolitik zu Zeiten der CDU-Alleinregierung und das daraus resultierende schlechte Image Thüringens. „Diesen Ruf müssen wir schleunigst loswerden! Abwanderung muss raus aus den Köpfen, gute Arbeit muss rein in die Köpfe!“, fordert Lemb.
Das Wirtschaftsministerium sei sehr aktiv, aber das allein reiche nicht aus. „Der Tanker hat zwar den Kurs gewechselt. Aber wir müssen gemeinsam schneller werden, wenn wir mithalten wollen im bundesweiten Wettbewerb um Arbeitskräfte. In den Elternhäusern, bei den Studierenden und vor allem in den Betrieben brauchen wir ein neues Thüringen-Bild. Eltern sollten ihre Kinder auf die Chancen im Land aufmerksam machen und sie ermutigen, sich eine Zukunft in Thüringen aufzubauen. Studierende dürfen eine Karriere im Freistaat nicht länger als zweitklassig betrachten. Betriebe müssen gute Arbeitsbedingungen auch wirklich anbieten. Dazu gehören die Tarifbindung, ein Betriebsrat und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf."
Gerade weil Thüringer Unternehmen nicht den gleichen Lohn zahlen könnten wie Betriebe in anderen Bundesländern, müsse man sich doppelt anstrengen und mit anderen Vorzügen bei Akademikern punkten. „Unternehmen können kreative Ideen entwickeln, z.B. einen Betriebs-Sport- oder Ruheraum, flexible Arbeitszeiten, Gutscheine, Vorteile für junge Eltern oder einfach ein gutes Betriebsklima“, schlägt der Wirtschaftspolitiker vor.
In Thüringen gebe es an vielen Stellen schon gute Arbeit. Aber der Wandel passiere zu langsam. „Wir müssen das schlechte Image loswerden. Die Betriebe müssen endlich mitziehen. Wenn in einer größeren Stadt nur eine Handvoll Betriebe tarifgebunden sind, ist das ein Skandal. „Eltern müssten ihren Kindern endlich mit gutem Gewissen sagen können: „Komm zurück nach Thüringen“ bzw. „Bleib in Thüringen“.