„Die Einlassungen von Hans-Werner Sinn zu möglichen Rentenreformen, bei denen Kinderlose niedrigere Rentenzahlungen erhalten sollen, sind empörend und nicht durchdacht“, erklärt Dagmar Künast, rentenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, mit Blick auf die Diskussionen um Aussagen des Präsidenten des ifo-Instituts Hans-Werner Sinn.
Sinn schlägt vor, die Höhe künftiger Rentenzahlungen an die Zahl der erzogenen Kinder zu koppeln. So sollten kinderlose Menschen laut Sinn stärker privat vorsorgen müssen, um die spätere Rentenlücke aufzufüllen, während Menschen mit Kindern staatliche Zuschüsse erhalten sollen.
Künast: „Sinn ist einer der lautesten Kritiker des gesetzlichen Mindestlohns. Und nun will er Menschen, die vielleicht auch aufgrund ihres niedrigen Einkommens kein Kind bekommen möchten, doppelt bestrafen. Einmal mit niedrigem Lohn und später mit einer niedrigen Rente. Das ist zynisch und widerspricht dem solidarischen Prinzip der Gesellschaft. Wir werden nicht zulassen, dass die Kinderlosen die Opfer der Rentenkürzungsphantasien Sinns werden.“
Auch stelle sich die Frage, wie mit Menschen, die ungewollt kinderlos geblieben sind, umgegangen würde. „Die Frage, ob man Kinder haben möchte oder nicht, ist eine private Entscheidung. Für diese Entscheidung darf sich niemand rechtfertigen müssen, um seine Rentenansprüche zu sichern“, so Künast.
Um allen ein auskömmliches Rentenniveau zu ermöglichen, sei vor allem die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns – gegen den Sinn sich vehement wehrt – wichtig. Denn die Höhe der Rentenzahlungen sei zuallererst davon abhängig, wie viel während des Berufslebens eingezahlt worden ist. „Bei der Einführung eines Mindestlohns käme mehr Geld in die Rentenkassen. Und nur wenn die Menschen ein auskömmliches Einkommen erhalten, können sie später eine Rente erhalten, die zum Leben reicht, und darüber hinaus auch privat vorsorgen. Egal ob sie Kinder großgezogen haben oder nicht“, so Künast.