Volker Hädrich: "Zwischen mich und Ihre Resolution passt kein Blatt Papier." © S. Matz
Podiumsdiskussion in Gera zur Zukunft des Fernverkehrs macht klar: Alle Wünsche werden wohl nicht greifen. Doch die IC-Verbindung Erfurt-Gera könnte kommen
Gera. Die Städte entlang der Mitte-Deutschland-Schiene erhöhen den Druck in Sachen Fernverkehr. Das Bündnis Geraer Schienenfernverkehr legt dem Stadtrat heute eine Resolution zum Absegnen vor, wonach die zweitgrößte Ostthüringer Stadt den zweigleisigen, elektrifizierten Ausbau der Mitte-Deutschland-Schiene fordert.
Gemeinsam kämpfen die jeweiligen Thüringer Bahnbündnisse für den Erhalt des Fernverkehrs außerhalb der Landeshauptstadt. Ihr nächstes Ziel ist es, eine gemeinsame Resolution aller betroffenen Thüringer Stadträte zu erreichen. Gestern fand in Gera eine öffentliche Diskussionsveranstaltung über die Zukunft des Fernverkehrs statt, auf der auch das Aktionsbündnis "Nächster Halt Weimar" vertreten war. Zu Gast im Geraer Stadtmuseum war auch Volker Hädrich, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn AG für den Freistaat Thüringen.
Die Resolution weist darauf hin, dass Gera seit Jahren vom Fernverkehr abgekoppelt ist ein gleiches Schicksal droht mit der neuen ICE-Strecke von Halle über Erfurt nach Nürnberg auch Jena, Weimar und Saalfeld. "Die Landesregierung darf sich nicht nur für die Stärkung Erfurts einsetzen. Wir schließen uns der Kritik Jenas ausdrücklich an", sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Lemb , der gemeinsam mit dem Kollegen Dieter Hausold (Linke) das Bündnis führt. Die Forderung lautet, die Mitte-Deutschland-Schiene nicht nur zwischen Weimar und Stadtroda zweigleisig auszubauen, sondern auch die weiteren eingleisigen Abschnitte zwischen Papiermühle und Hermsdorf und zwischen Töppeln und Gera zu erweitern.
Die Auswahl der zweigleisigen Abschnitte sei nach den Kriterien Betriebsqualität und Kapazitätserhöhung der Strecke erfolgt, sagt Volker M. Heepen, Geschäftsführer der Nahverkehrsservice-Gesellschaft. Eine Simulation habe ergeben, dass ein langer, zusammenhängend zweigleisiger Abschnitt wichtig sei. So werde aus den zur Verfügung stehenden 50 Millionen Euro der größte Effekt gezogen. "Drei Züge pro Stunde und Richtung werden wohl auf einen zehn Kilometer langen, eingleisigen Abschnitt zwischen Töppeln und Gera passen", sagt der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn in Thüringen, Volker Hädrich. Für die Zukunft sei aber ein zweigleisiger Ausbau auch dort denkbar.
Zuvor müsse es jedoch möglichst schnell gelingen, das Baurecht für den Abschnitt zwischen Weimar und Stadtroda herzustellen. Noch liegen Einsprüche vor, unter anderem weil die Deutsche Bahn die Bahnsteige in Jena auf 170 Meter kürzen will. Hädrich stellte in Aussicht, dass noch in diesem Jahr die Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet werden soll. Er warnte, dass der Bund bei Verzögerungen das Geld komplett streichen könnte. "Wer zuckt, hat verloren. Wir spielen um alles oder nichts." Wenig Hoffnung machte der Bahnchef der zweiten großen Forderung der Resolution, die Elektrifizierung zwischen Weimar und Gößnitz herzustellen. Bis 2015 sei es unrealistisch, die Oberleitung zu ziehen, da das Planfeststellungsverfahren wesentlich aufwändiger sei als beim zweigleisigen Ausbau.
Heepen erneuerte die Ansage des Landes, ab 2015 die IC-Linie von Düsseldorf nach Erfurt bis Gera verlängern zu wollen. Die Doppelstockzüge sollen zum Teil Regional-Express-Züge ersetzen, aber auch mit deren Fahrscheinen nutzbar sein. Die Verhandlungen laufen bereits mit der Deutschen Bahn.
Quelle: Tino Zippel / 29.11.12 / OTZ