Wie Phoenix aus der Asche?

Veröffentlicht am 27.11.2007 in Parteileben

Dass zum Landesparteitag der Thüringer Sozialdemokraten vergangenen Samstag in Schmalkalden auch ein Leitantrag mit dem Namen „Aufbruch Thüringen – gemeinsam. sozial. demokratisch“ beschlossen werden sollte, schien fast schon Nebensache, hatte doch Richard Dewes, Innenminister a.D. und ehemaliger SPD-Landesvorsitzender, sein Kommen Tags zuvor pressewirksam angekündigt.

Seinen Hut in den Ring werfen wolle er, darum habe ihn der halbe Landesvorstand, sowie viele Landtagsabgeordneten und Kreisvorsitzenden gebeten, ja sogar bedrängt. Es stellt sich die berechtigte Frage, warum das so sein sollte.
Christoph Matschie hat sich in dieser Legislaturperiode zum Oppositionsführer im Thüringer Landtag gemausert. Er punktet durch sachliches und zielgerichtetes Arbeiten und konnte seine vierzehn Landtagsparlamentarier zu einer überzeugenden Fraktion formieren. Die Sozialdemokraten haben in den vergangenen drei Jahren doch im Landtag so einiges bewegt. So wurde unter anderem die Abschaffung des Blindengeldes rückgängig gemacht. Und auch die parlamentarischen Initiativen zur Bekämpfung der Kinderarmut in Thüringen sind auf gutem Wege.
Warum will man Christoph Matschie für diese gute Arbeit durch einen innerparteilichen Herausforderer um die Spitzenkandidatur bringen? - was wohl Ziel der Mannen um Richard Dewes ist. Hätte man die SPD-Landtagsfraktion besser führen können?
Selbst nach Bekunden einiger Dewes-Anhänger ist Christoph Matschie sachlich nichts vorzuwerfen. Kritisch sehen diese jedoch seine Fähigkeit rhetorisch und persönlich zu überzeugen – Eigenschaften, die dem ehemaligen Innenminister und gelernten Juristen Dewes zugeschrieben werden. Doch wer am letzten Samstag die Reden Matschies und seines Kontrahenten verfolgt und verglichen hat, fand das Gegenteil vor. Ein rednerisch und emotional überzeugender Landesvorsitzender, der die Delegierten mitriss und mit stehenden Ovationen dafür belohnt wurde. Ein abwägender und sichtlich nachdenklicher Richard Dewes sparte sich seinen Redebeitrag bis zum Schluss auf und bezweifelte vielleicht auch schon, dass es mit dem Phoenix aus der Asche etwas werden wird. Die Delegierten entließen ihn mit höflichem Applaus vom Rednerpult.
Es macht daher nur wenig Sinn, jetzt auf ein anderes Pferd als Christoph Matschie zu setzen. Zudem wäre es wohl taktisch unklug, einen Kandidaten, der über Jahre hinweg an Bekanntheitsgrad merklich dazu gewonnen hat auszutauschen gegen einen der sich vor knapp sieben Jahren von der landespolitischen Bühne verabschiedet hat. Es wäre zu recht ein „gefährlicher Schritt zurück“, auf Richard Dewes zu setzen, warnte Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf.
Die nun angestrebte Mitgliederbefragung zum Spitzenkandidaten ist sicherlich richtig und vor allem demokratisch, zieht aber die Personaldebatte unnötig in die Länge und überlagert die weitaus wichtigere inhaltliche Debatte um politische Themen und Ziele.
Wenn die Thüringer Sozialdemokraten eins aus den vergangenen Jahren gelernt haben müssten, dann das: Der politische Gegner sitzt nicht in den eigenen Reihen, sondern derzeitig noch auf der Regierungsbank. Diesen gilt es zu schlagen, nicht sich selbst.

Sven Schrade
SPD-OV Schmölln

 

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