Ein Gastbeitrag von Hassan Soilihi Mzé "Die Geschichte vom lila Elefanten"

Veröffentlicht am 01.12.2014 in Landtag

Die Geschichte vom lila Elefanten

Momentan ist ja das, was in Thüringen auf dem politischen Parkett geboten wird, ungefähr so spannend wie ein Kegelturnier im Feierabendheim Sorge-Settendorf. Die Spitzenkräfte der Willigen-Koalition haben nunmehr ihre jeweiligen Parteibasen mehrheitlich ins „Im Grunde genommen find’schs toll“ manövriert, das vernehmbare Auslassen kritischer Einlassungen bestmöglich weggelassen, dafür aber mit maximalem Einsatz alles Weitere ausgesessen.

Inzwischen finden wir uns an der Schwelle zu Woche zwölf eines politischen Affentanzes wieder, der sich gegenwärtig in etwa so gestaltet: Ein lila Elefant steht mit seinem roten und seinem grünen Putzvögelchen am Uferrand eines seit gestern Vormittag zugeeisten 5x5-Meter-Sees. Die Eisschicht beträgt dabei an der dicksten Stelle immerhin weidlich einen Zentimeter. Natürlich könnte man jetzt solchen Unsinn erörtern, wie

„Ein Zentimeter, mmmhhh, ist das nicht ‘n bißchen wenig für so’n Elefanten inklusive Putzvögelchen.“

oder

„Ja, okay, aber so fünf Meter, bleiben da die Putzvögel auch die ganze Zeit auf dem Elefanten sitzen?“

Könnte man, wie gesagt.

Andererseits könnte man sich jetzt auch einfach nur entspannt zurücklehnen und sich den zweiten Akt dieser Vorstellung eines mitteldeutschen Binsengangs zu Gemüte führen: Diesen Freitag stellt sich Ramelows Bodo der Wahl zum thüringischen Ministerpräsidenten. Damit setzt der Elefant zum ersten Mal den Fuß aufs Eis. Falls er dann in Wahlgang drei gewählt worden sein sollte, wird der Spaß erst richtig losgehen. Ab da heißt es nämlich für die dunkelrotrotgrüne Symbiose in Sachen DDR-kritische Vergangenheitsaufarbeitung den schönen Worten sichtbar Taten folgen zu lassen. Für enge Mf-Seilschaftspflege oder die lauthalsige Forderung nach Anhebung von Stasi-Täter-Renten wird danach wohl kaum Platz sein und mit Blick aufs Eis erst recht keine Gelegenheit, für diese Form des Opferhohns auf und nieder zu springen.

Nichtsdestotrotz: Was sich Ende dieser Woche in Thüringen zusammenbraut, darf man gut und gerne freundlich ausgedrückt äußerst skeptisch sehen. Denn das inzwischen im politisch linken Spektrum hoffähig gewordene Ceterum Censeo, die SPD könne nur noch mit der sogenannten „Linkspartei“ gemeinsam ernsthaft gesellschaftliche Veränderung bewirken, ist und bleibt trügerisch. Nicht nur, weil es das gestalten wollende und zugleich modernitätsverbundene Selbstbewußtsein der Sozialdemokratie durch die Bindung an eine Partnerin, die das genaue Gegenteil darstellt, verleugnet, sondern der SPD zugleich auch abspricht, aus eigener Kraft heraus Gestaltungsfähigkeit zu entwickeln. (Daß die rotrote Idee selbst zunehmend an gesellschaftlicher Mehrheitsfähigkeit – ergo Akzeptanz – verliert, bleibe der Einfachheit halber hier mal außen vor.)

Gleichwohl, was am 5. Dezember zusammenkommen soll, läßt sich jetzt nicht mehr aufhalten, da sich die potentiellen Koalitionäre nicht nur ihrer Sache sicher, sondern sich in derselben auch einig sind. Daß sich Täter, Verherrlicher und Leugner des SED-Regimes gerade im 25. Jahr der Friedlichen Revolution trefflich darüber ins Fäustchen lachen werden, wieder erste Geige spielen zu dürfen, steht dabei außer Frage. Und auch außer Frage wird stehen, daß für die Opfer des Unrechtsstaats DDR wie auch deren Angehörige diese Thüringer Landesregierung nur sehr schwer zu ertragen sein wird. Klar ist aber auch, daß der parlamentarische Vorsprung der R2G-Koalition kaum vorhanden ist – jede grundsätzliche und jede historisch-ethische Entscheidung somit zur Belastungsprobe für das Bündnis werden kann. Auch ein „linker“ Ministerpräsident wird da alsbald merken, daß sich nicht alles wegdisziplinieren oder mittels Koalitionsvertrag wegdiskutieren lassen wird.
Das läßt die ganze Sache dann schließlich doch auch wieder erträglich, wenn nicht sogar tröstlich scheinen. Das Eis bleibt dünn und die Last der einzulösenden Versprechen schwer. 

Hassan Soilihi Mzé 30. November 2014

 

Homepage Stefan Sandmann