„Wer heute jungen Menschen ohne Job keine Perspektive bietet, darf morgen nicht über fehlende Fachkräfte jammern“
Trotz des vielfach angemahnten Fachkräftemangels in Thüringen gebe es immer noch eine Reihe von jungen Menschen, denen keine Chance auf dem Thüringer Arbeitsmarkt gebeten wird. Dabei handele es sich nicht nur um Menschen bis 30 Jahre, die keine Ausbildung haben oder andere Vermittlungshemmnisse. Auch junge Menschen mit Bachelor-Abschluss oder gut abgeschlossener Lehre finden oftmals keinen Einstieg. „Die Unternehmen müssen die Herausforderung Fachkräftemangel ernst nehmen und Maßnahmen ergreifen. Es gibt bereits Betriebe, die Bewerbern gezielt Kurse anbieten, um Defizite auszugleichen. Wer das heute verpasst und das Potenzial junger Menschen in der Arbeitslosigkeit verfallen lässt, darf sich morgen nicht über fehlendes Personal beschweren.“, so der SPD-Abgeordnete und wirtschaftspolitische Sprecher.
Notwendig sei es hierfür auch kreative Wege zu gehen, zum Beispiel in Gesprächen mit Initiativbewerbern gemeinsam zu überlegen, welche Perspektive dieser Mensch langfristig im Unternehmen erhalten könnte. „Wenn ein Betrieb weiß, in zwei Jahren brauche ich eine Führungskraft im Personalwesen, der Bewerber hat aber nur einen Bachelor-Abschluss mit unzureichenden Kenntnissen, dann kann es sich lohnen eine Vereinbarung abzuschließen, die Person nach einer entsprechenden Weiterbildung zu übernehmen. Stattdessen lassen viele Betriebe Bewerber einfach gehen, ohne darüber nachzudenken, wie sie sie mittel-und langfristig an sich binden könnten.“, so Lemb.
Auch wenn sich die wirtschaftliche Entwicklung abschwäche, sei es wichtig, die Personalentwicklung vorausschauend zu planen. „Die Herausforderungen, die insbesondere auf Thüringen zukommen, weil das Erwerbspersonenpotenzial schrumpft, müssen in den Betrieben bewusst bedacht werden. Wer das Thema Fachkräftebedarf nicht ernst nimmt, geht langfristig existenzielle Risiken ein.“ Das gelte auch und insbesondere für kleinere Betriebe, die früher oder später über Kooperationen mit anderen kleineren Betrieben derselben Branche nachdenken müssen. Höhere Löhne, unbefristete Stellen, Betriebsrat und Tarifbindung seien wichtige Qualitätsmerkmale, mit denen sich ein Betrieb Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern empfehlen könne. Wer es sich leisten kann, könne als Betrieb auch mit Betriebskindergarten, Weiterbildungsmöglichkeiten und flexiblen Arbeitszeiten punkten.