Gegen das Motto: "Jede Arbeit ist besser als keine." (Foto: SPD-Landtagsfraktion Thüringen)„Um Thüringens Arbeitsmarkt für die Zukunft fit zu machen, braucht das Land einen flächendeckenden Mindestlohn und gleiche Löhne für gleiche Arbeit. Es muss reguläre Beschäftigung fördern und nicht prekäre, zum Beispiel indem es die Tarifbindung deutlich steigert und die Allgemeinverbindlichkeitserklärung von Tarifverträgen erleichtert. Und es muss Arbeitskräfte- und Qualifizierungspotentiale nutzen, indem es Fachkräfte nach Thüringen anzieht und ein Bildungsfreistellungsgesetz einführt.“
Dieses Fazit hat der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagfraktion, Wolfgang Lemb, nach der Fachtagung „Arbeit – zukunftssicher und fair“ der SPD-Fraktion gezogen, an der gestern rund 60 Vertreter aus der Wirtschaft, den Gewerkschaften und der Wissenschaft teilgenommen haben.
Zuvor hätte Professor Dr. Gerhard Bäcker vom Lehrstuhl „Soziologie des Sozialstaates“ der Universität Duisburg-Essen von einem „eklatanten Widerspruch“ zwischen dem optimistischen Stand der Arbeitslosenstatistik und der Wirklichkeit auf dem Arbeitsmarkt gesprochen. „Der Arbeitsmarkt ist in seinen Grundfesten in Unordnung geraten“, stellte Bäcker fest. Es gebe immer mehr Beschäftigungszonen, die zunehmend von prekärer Beschäftigung geprägt seien.
Minijobs, Leiharbeit, befristete Arbeitsverträge und Scheinwerksverträge würden häufig missbraucht, um die Löhne zu drücken. Der Effekt: Der Niedriglohnsektor sei Dank dieser Instrumentarien erheblich ausgeweitet worden. Hier müsse man gegensteuern. Längst habe die Wissenschaft zum Beispiel nachgewiesen, dass Minijobs keine Brückenfunktion in Vollzeitstellen darstellten, berichtete Bäcker.
Aber das Motto „jede Arbeit ist besser als keine“ sei nicht geeignet die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. „Wir brauchen ein neues Leitbild guter Arbeit“, forderten Bäcker, Lemb und der arbeitsmarktpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rolf Baumann.
Lemb plädierte für „Upgrading statt Downgrading“. Während man bisher versuchte, hoch qualifizierte Fachkräfte für weniger qualifizierte Beschäftigung einzusetzen, komme es angesichts des Fachkräftemangels in Zukunft darauf an, „gering Qualifizierten Aufstiegsmöglichkeiten nach oben zu geben“.