Zum Tod von Reinhard Specht – Freund, Mentor, Wegbereiter.
Zum Tod von Reinhard Specht – Freund, Mentor, Wegbereiter.
Es war ein warmer Sommertag, in einem kühlen Innenhof am Kohlenmarkt, vor 20 Jahren, als wir uns das erste Mal gegenübersaßen, miteinander sprachen, verstanden und es sollte viele Gespräche folgen, geprägt von Respekt, Anerkennung, Streit und Zuneigung.
Für Außenstehende wirkte die Welt, der Ort im Zentrum Arnstadts an dem Reinhard Specht sich bewegte, seinen Lebensmittelpunkt geschaffen hatte, recht klein. Hier hielt er Hof, hier war der Ort von dem aus er wirkte. Ein Ort der einen von vielen Wendepunkten im Leben Reinhard Spechts markiert. Hier übernahm er 1980 den Betrieb der Geschwister Pilz, hier hat er als Handwerker und Künstler in Werkstatt und Atelier traditionell geformt und mutig experimentiert. Hier entstand mit ihm einer der gastlichsten Orte in Arnstadt. Hier hat er Freundschaften gepflegt zu Klempnern und Apothekern, hier ist er kenntlich geworden als Autor und Ideengeber. Er hat Menschen nicht nach Herkunft oder Titeln sortiert, war Lehrer und Lernender hat mit Phantasie und Geschick mit sich und seinen hohen Ansprüchen an sein Tun gerungen, manchmal rücksichtslos und schroff auch sich selbst gegenüber.
Sein Leben und die darin enthaltenen Wandlungen und Brüche nachzuzeichnen kann kaum gelingen, es ist Abbild deutscher Geschichte seit dem Krieg.
Als Reichsbahnen, Deutschlehrer, Arbeitstherapeut im Marienstift, Keramiker und Werkstattleiter hat er eine Arbeitsbiographie die die Vielfältigkeit seiner Talente und Interessen, seine Zerrissenheit und sein Suchen und seinen Veränderungswillen deutlich macht.
Reinhard Specht hat gesammelt und zusammengetragen, in Archiven geforscht und Schätze gehoben, Geschichte geschrieben, Traditionen erforscht, doch nicht zum Selbstzweck, sondern um Fundamente zu legen auf denen Neues entsteht. Immer hatte er jüngere Menschen um sich, hat beraten, gefördert, befragt und in Arbeit gebracht.
Die Liste seiner Verdienste um die Werkstatt am Kesselbrunn, den Geschichtsverein, das Kuratorium St. Georg ist lang, er hat viele Dinge aber vor allem Menschen in Bewegung gebracht.
Rastlos, ehrlich und direkt und mit echter Liebe zu seiner Heimat, den Wäldern um Paulinzella, der Altstadt von Arnstadt und dem Drei Gleichen Gebiet hat er immer nach Methoden gesucht wertvolle Geschichten zu bewahren, in dem er sie ins Heute übersetzt.
Am Ende seines Lebens schien er angekommen und zauberte Kristalle auf seine Glasuren die so facettenreich waren wir die Spuren die er hier in unserer Heimat hinterlassen hat.
In der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag starb er im Alter von 69 Jahren nach schwerer Krankheit.
Homepage Christian Hühn